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Boys don't cry
Regie: Kimberly Peirce
USA 1999, 118 min, Deutsche Fassung
Teena Brandon ist einsam in Lincoln, Nebraska, lässt sich
eines Tages die Haare kurz schneiden, stopft sich ein Polster in den Jeans-Schritt
und zieht los. Da schnell herauskommt, wer der gutaussehende unbekannte
Mann ist, flieht Brandon aus seiner Heimatstadt ins 75 Kilometer entfernte
Dorf Falls City.
Hier gelingt es ihm schon bald die Herzen der Gemeinde im Sturm zu erobern.
Die Leute mögen den scheu lächelnden Fremden, der ein super
Kumpel ist und dem die Frauen nur so hinterherrennen. Er freundet sich
mit Lana Tisdel (Chloë Sevigny) und ihrer Clique an.
Lana, in die sich Brandon verliebt, arbeitet in einer Fabrik, wo sie Spinat
abwiegt, lebt mit ihrer Mutter, die zuviel trinkt, und träumt davon,
eine professionelle Karaoke-Sängerin zu werden. Sie verliebt sich
in Brandon, weil er sie besser behandelt als die anderen Männer.
Sie will irgendwo hingehen, Hauptsache raus aus Falls City.
Bei Lanas Freunden John Lotter (Peter Sarsgaard) und Tom Nissen
(Brendan Sexton III) läuft wenig bis gar nichts gut. Keine Arbeit,
keine Zukunft. Sie haben bereits Zeit im Gefängnis verbracht. John
ging früher mit Lana und fühlt immer noch etwas für sie.
Lanas und Brandons Beziehung beginnt ohne Probleme. Sie fühlen etwas
füreinander und das Geschlecht macht nicht viel aus. Es gibt für
Lana ausreichend Hinweise darauf, dass Brandon weiblich ist, aber sie
entscheidet, diese zu ignorieren. Erst ein Strafzettel für zu schnelles
Fahren gibt der Clique den ersten Hinweis auf die wahre Identität
von Brandon. In Lanas Elternhaus stellen Tom und John Brendon zur Rede
und entkleiden ihn gewaltsam nachdem er leugnet eine Frau zu sein. Brendon
wird in dieser Nacht brutal von den beiden vergewaltigt und misshandelt.
Am nächsten Tag erstattet er Anzeige bei der Polizei. Lana und er
beschließen Falls City zu verlassen. Von der Polizei vorgewarnt
erschießen John und Tom amoklaufend Brendon und die alleinerziehende
Mutter Candace, die Brendon in dieser Nacht Unterschlupf gewährt.
In Anbetracht der außergewöhnlich brutalen Darstellung des
Mordes stellte sich für uns die Frage, weshalb diese beiden Themen
-Transsexualität und Hassverbrechen- in einem Film so dargestellt
werden. Nach einer kurzen Recherche im Internet fanden wir Informationen,
die darauf hindeuten, dass es in den USA leider häufig zu sogenannten
"Hate Crimes" bei Transgender-Personen kommt. So veröffentlicht
die Seite "Gender.org" eine Gedenktafel im Internet, auf der
die Namen derer zu lesen sind, die aufgrund ihrer Lebensweise umgebracht
worden sind. Der Eintrag zu Brandon Teena lautet: "Brandon (aka Brandon
Teena, Tenna Ray Brandon, Teena Brandon) Humboldt, Nebraska 31-Dec-93:
Shot to death, then stabbed, by John Lotter and Marvin Thomas Nissen".
Außerdem veranstaltet eine Gruppe den "Annual Transgender
Day Of Remembrance", der am 20. November 2005 bereits zum siebten
Mal an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt stattfand. All dies überzeugte
uns, diesen Film zu zeigen, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen.
Trotzdem wollen wir uns hier von der drastischen Darstellung der Gewalt
im Film distanzieren: dies hätte nicht unbedingt so sein müssen.
Es handelt sich um einen Film, der nachdenklich stimmt und dem man sich
nur schwer entziehen kann.
Nicht umsonst hat Hilary Swank für diese Rolle 2000 einen "Oscar",
sowie einen "Golden Globe" und einen "Rosebud" auf
dem "Verzaubert Filmfestival" erhalten. Es gelingt ihr, den
Zuschauerinnen und Zuschauern einen Einblick in die zerbrechliche Gefühlswelt
Brandon Teenas zu verschaffen.
Die Regisseurin:
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Kimberly Peirce:
Geboren 1967 in Harrisburg, Pennsylvania, studierte Englisch und
japanische Literatur in Chicago, arbeitete einige Jahre in Japan
als Fotografin und Model,
studierte danach Film an der Columbia University.
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Filmographie:
- The last good breath (1994)
- Boys don't cry (thesis 1999)
- The ice at the bottom of the world (2006)
- Silent Star (2006)
Pierce war die Tragödie um Brandon Teena offenbar
unter die Haut gegangen. Sie brauchte fünf Jahre, um das Geld für
den Film aufzutreiben und genügend zu recherchieren.
Hunderte von Schauspielerinnen mußten für die Rolle des Brandon
vorsprechen, bis sie sich auf Anhieb für Hilary Swank entschied.
Im Flanellhemd, die langen Haare unter einem Cowboy-Hut versteckt, überzeugte
sie als "Typ".
Gewichtet hat sie in ihrem Film etwa, indem sie den behinderten,
schwarzen Freund Philip DeVine, der zusammen mit Brandon und einer Freundin
erschossen wurde, sowie Mörder John Lotters Nähe zu einer Gruppe
wegließ, welche "die Überlegenheit der weißen Rasse"
vertritt.
Viele Dinge sind in Boys Don't Cry wundervoll umgesetzt.
Die Verzweiflung wird eingefangen. Einige der frühen Szenen mit Lana
sind besonders eindringlich. Sie trifft Brandon zum ersten Mal in einer
Bar, wo sie und ein paar Freunde aufstehen und über "Die blauesten
Augen in Texas" singen. Sevigny hat diese schläfrigen Augen
und eine Art, die Arroganz und Selbstverleugnung zu gleichen Teilen kombiniert.
"Wer bist du?" fragt sie auf unverschämte
Weise, als sie das erste Mal an Brandon vorbeigeht. Als sie sich das nächste
Mal treffen, irrt Lana betrunken in einem Lebensmittelgeschäft umher
und versucht den Ladenbesitzer zu überreden, ihr Bier zu verkaufen.
Preise (Auswahl):
Academy Awards (Oscar) 2000 für Hilary Swank (beste
Hauptdarstellerin),
Nominiert für die beste Nebendarstellerin:
Chloë Sevigny
Golden Globe 2000 für Hilary Swank (beste Hauptdarstellerin)
London Film Festival 1999
FIPRESCI Prize: Kimberly Peirce
Verzaubert-International Gay and Lesbian Filmfestival 1999: Rosebud
für den besten Film
alle
Preise
Die Regisseurin über ihren Film:
"Der ganze Punkt ist, dass ich mich in Brandon verliebt habe. Ich
fühlte, dass diese Geschichte erzählt werden musste. Die Berichterstattung
in den Medien war von Anfang an sehr sensationslüstern. Niemand dachte
sich in den Charakter hinein. Niemand wusste jemals von der Liebesgeschichte.
Es ging mir darum, ihn zu ehren. Es ging mir darum, die Mechanismen des
Hasses zu erkunden, damit so etwas nie wieder passiert."
Links
Weitere
Filminfos auf imdb.com (Englisch)
Weitere
Filminfos auf transgender-net.de
Trailer
zum Film (Englisch)
Interview
mit der Regisseurin zum Film (PopMatters) (Englisch)
Hassverbrechen-Statistik
in den USA (FBI)
Gedenkseite
ermordeter Transgender (gender.org)
Day
of Remembrance 2005 (gender.org)
Eure Kommentare zum Film:
post@rollenwechsel.net

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Lana und Brandon

Lana

Candace, Lana und Kate

Kate, Tom, Candace und Lana

John Lotter, Brandon Teena, Tom Nissen

Brandon und Lana

Brandon und Lana
Brandon Teena (Hilary Swank)

Brandon
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