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But I'm a Cheerleader
Regie: Jamie Babbit
USA 1999, 92 min, Deutsche Fassung
Eigentlich scheint mit der 17jährigen Megan Bloomfield (Natasha
Lyonne) alles in Ordnung: Ihre College-Leistungen sind hervorragend, ihre
Freizeit verbringt sie begeistert als Cheerleader des College-Football-Teams,
und seit zwei Jahren geht sie mit dessen Quarterback aus. So weit, so
trügerisch die Idylle, das meint zumindest Megan's besorgtes soziales
Umfeld, allen voran ihre Eltern. Denn offensichtlich gibt es einige Beweise
dafür, dass mit Megan in Wirklichkeit etwas ganz und gar nicht in
Ordnung ist, als da wären: Ein riesiges Melissa Etheridge-Poster
in Megans Zimmer, ein relativ spärlich bekleidetes Model in ihrem
College-Spind, ihr Vegetarierdasein und die Tatsache, dass Megan beim
Küssen ihres Quarterbacks nur mäßig bei der Sache zu sein
scheint.
Was also tun? Die um das Wohl ihrer Tochter redlich bemühten
Eltern wissen sich schließlich keinen anderen Rat mehr, als Megan
für ein paar Monate in das Umerziehungscamp True Directions
zu stecken, wo sie auf den rechten, d.h. heterosexuellen Pfad der Tugend
zurückgeführt werden soll, damit ihrem weiteren Lebensglück
nichts mehr im Wege steht. Im Camp angekommen, muss sich Megan zunächst
das Lehrvideo "How to become straight" zu Gemüte führen,
bevor die strenge Leiterin Mary J. Brown (Cathy Moriarty) sie mit dem
Fünf-Schritte-Programm des Camps vertraut macht.
Folgende Schritte sind von Megan im Laufe der nächsten Monate zu
bewältigen:
1. Das Bekenntnis, homosexuell zu sein.
2. Die Wiederentdeckung der eigenen sexuellen Identität.
3. Familientherapie.
4. Die Entmystifizierung des anderen Geschlechts.
5. Das Simulieren des heterosexuellen Sexualaktes.
Schon mit dem ersten Schritt tut sich Megan reichlich schwer, denn sie
besteht darauf, zwar überzeugte Vegetarierin und Cheerleader, aber
mit Sicherheit keine Lesbe zu sein. Aber in der Gruppentherapie auf dem
"heißen Stuhl" in die Mangel genommen, muss sie es sich
doch schließlich eingestehen: Ihre heißen Fantasien von den
hüpfenden Brüsten ihrer Cheerleader-Kolleginnen während
der Zungenküsse ihres Quarterbacks scheinen eindeutig nicht heterosexueller
Natur - der erste Schritt wäre getan.
Zum Glück muss Megan die nächsten Schritte nicht einsam vor
sich hin absolvieren, sondern übt gemeinsam mit ihren lesbischen
und schwulen Leidensgenossen den heterosexuellen Lebensstil. Für
die Mädchen steht Sitzhaltung, Staubsaugen, Putzen, Schminken, Hochzeitskleider
anziehen und Babywickeln in pinken Kleidern auf dem Programm, für
die Jungen ist u.a. in blauen Overalls Holzfällen, Auto reparieren,
Krieg spielen und natürlich Sitzhaltung angesagt... Trainer Mike,
grandios besetzt mit Vogue-Model und Supertunte RuPaul, war selbst einmal
schwul und muss nicht nur einmal seine wahren Gefühle unterdrücken.
Zur Auflockerung des Programms trägt bei, dass sowohl die Mädels
als auch die Jungs einen eigenen Schlafsaal haben, wo des Nachts und somit
jenseits sonstiger Pflichten Zeit ist für - sagen wir - die ein oder
andere sonst nicht erlaubte Tätigkeit...
Beim platonischen, gleichgeschlechtlichen "Friendship"-Rollenspiel
lernt Megan die Camp-Rebellin Graham (Clea Du Vall) näher kennen
und kann bald nicht mehr verhindern, dass diese auch in ihren nächtlichen
Träumen eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Doch zunächst
sind die Schritte 3 und 4 des "True Direction"-Programms zu
bewältigen: Die Familientherapie und die Beschäftigung mit dem
anderen Geschlecht.
Beide Schritte verlaufen für alle Beteiligten dermaßen unerfreulich,
dass sie schließlich zum Ergebnis kommen, sich jetzt auf jeden Fall
eine Aufmunterung im "Cocksucker", einer stadtbekannten Homo-Disco,
verdient zu haben. Dort kommt es denn auch zu den ersten Küssen zwischen
Megan und Graham.
Bedauerlicherweise bleibt der kleine Ausflug den wachsamen Argusaugen
der Mrs. Brown nicht verborgen, und nicht nur das: Auch die erste gemeinsame
Nacht von Megan und Graham entgeht ihnen nicht, was natürlich nicht
ohne Konsequenzen bleibt. Megan entschließt sich, das Camp zu verlassen
und zieht zu den zwei schwulen Männern, die sie ins "Cocksucker"
geschmuggelt hatten. Graham jedoch bleibt im Camp zurück, worüber
Megan sehr bestürzt ist.
Tja, und so verpasst Megan denn auch den Höhepunkt des 5-Schritte-Programms:
Den simulierten heterosexuellen Sexualakt. Keine(r) der beteiligten Camp-BewohnerInnen
hat große Freude an dem Rollenspiel. Aber die Chancen stehen gut,
dass Megan ihre Graham doch noch für sich gewinnen kann.
Die Regisseurin:
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Jamie Babbit:
Geboren 1970, studierte an der Columbia University New York.
"But I'm a Cheerleader" ist nach einigen Kurzfilmen ihr
erster großer Kinofilm.
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Filmographie (Auszug):
- Frog Crossing (1996)
- Sleeping Beauties (1999)
- Stuck (2001)
- The Quiet (2005)
- TV-Serie: The Gilmore Girls (2003-2006)
- Itty Bitty Titty Committee (2007)
Hintergrundinfos:
Clea Duvall (alias Graham) hat bereits in Jamie Babbits
Kurzfilm "Sleeping Beauties" mitgespielt, bei dem es sich um
eine lesbische Version von Dornröschen handelt, und auch einige Rollen
in der Serie "Popular" bei der Babbit z.T. Regie führt.
Natasha Lyonne (Megan), die eine gute Freundin von Clea Duvall
ist, kam zu dem Film, als sie das Drehbuch und Duvalls Auto fand und ihren
Agenten am nächsten Tag aufforderte, ihr darin eine Rolle zu beschaffen.
Unter den "Patienten" findet sich auch Kinodebütant
Kip Pardue, der hier exzessiv Zunkenküsse mit einem anderen
Mann austauschen darf und als nächstes bei Sylvester Stallone ins
Cockpit stieg (Driven).
Cathy Moriarty (alias Mary J.Brown) spielt köstlich over the
top. Ihren Filmsohn gibt Eddie Cibrian ("Say It Isn't So")
und bei diesem Typen muss man sich nicht wundern, dass die Boys im Camp
feuchte Augen (...) bekommen. Selten hat ein Mann erotischer Hecken geschnitten.
"Umprogrammierungs-Programme" gibt es in
den USA wirklich. Ein solches Programm ist 'Refuge' in Memphis, Tennessee,
das von einer christlich-fundamentalistischen Organisation betrieben wird.
Es richtet sich an Jugendliche von 13-18 Jahren, die von einem Elternteil
während des Programms begleitet werden. Ihr Leitspruch: "Finde
wahre Freiheit von deinen Neigungen durch die Kraft Jesu Christi."
(siehe auch: Link unten).
Preise (Auswahl):
Publikumspreis für den besten Film beim Créteil International
Frauenfilmfestival Paris (1999)
Jamie Babbit für die Regie beim Créteil International
Frauenfilmfestival Paris (Graine de Cinéphage Award, 1999)
Abschlussfilm der schwul-lesbischen Festivals in San Francisco
und London (1999)
Gewinnerfilm bei Queermaxx (bester Film der Saison 2001/02)
Die Regisseurin über ihren Film:
"Viele Gags im Film sind direkt aus den echten Camps entnommen.
Wie zum Beispiel, dass alle die 'Wurzel' ihrer Homosexualität suchen
müssen, und dann herausfinden, dass sie schwul sind, weil ihr Vater
arbeitslos war oder ihre Mutter in Hosen geheiratet hat oder sie in Frankreich
zur Welt gekommen sind."
Links
Offizielle
Webseite des Films
Weitere
Filminfos auf pro-fun.de
Trailer zum
Film
Interview
mit der Regisseurin zum Film (film.at)
Bericht
über Umerziehungsprogramm in Tennessee
(Englisch, pridesource.com)
Bericht
über Anklage gegen das "Department of Child Services"
in Tennessee (Englisch, Tennessean.com)
Eure Kommentare zum Film:
post@rollenwechsel.net
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Graham und Megan


Mike

Mary J. Brown und Rock Brown
 


Mrs. Mary J. Brown
Megan und Graham
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