| Hab
mich lieb! Regie: Sylke Enders D 2004,
102 min., DF Gleich und gleich gesellt sich gern, heißt
es- aber auch: Gegensätze ziehen sich an. Nicht ohne Grund ist die offenherzige
transsexuelle Christel die einzige Freundin der kratzbürstigen Kalli. Beide
haben sich im Altenheim kennen gelernt, in dem Kalli, als Vorbereitung auf das
Medizinstudium, jobbt und Christel für die Alten Musik zum Tanztee auflegt.In
ihrer eingespielten Freundschaft hat jeder seinen Part: Kalli gibt und fühlt
sich mit ihren anscheinend so festen Standpunkten und Vorstellungen im Leben Christel
überlegen, deren Freimütigkeit und Arglosigkeit sie belächelt und
häufig belehrt. Doch Christel nimmt dies nur scheinbar hin. Die Freundschaft
gerät auseinander zu brechen, als in der Silvesternacht nicht nur ein neues
Jahr, sondern auch der wortkarge Norman in das Leben der beiden tritt. Für Christel,
die nur noch Augen für Norman hat, ist dieser Jahresbeginn ein voller Erfolg
und eine neue Herausforderung. Sie verwirft die gut gemeinten Warnungen ihrer
Freundin und fährt mit all ihrem Charme auf und wird zurückgewiesen.
Doch wie ein Steh-auf-Männchen lässt sich Christel von den Rückschlägen
in ihrem Leben nicht abschrecken. Beharrlich sucht sie weiter ihr Glück
und lässt sich von Kalli nichts mehr einreden...vor allem von einer Kalli,
die ihr ihre anbahnende Beziehung zu Norman verheimlicht hat. Als Christel für
eine neue Liebe alles stehen und liegen lässt und einen Weg ohne die
Freundin einschlägt, sieht Kalli, dass sie mit ihrer schroffen, überheblichen
Haltung nicht weiterkommt, dass sie dadurch die Menschen, die ihr was bedeuten
abschreckt und verliert.
Über die Geschichte: Mit
einem stark authentischen Hintergrund schildert Hab mich lieb! eine
Episode aus dem Leben einer der Jugend gerade entwachsenen Generation. Die Geschichte
entsteht unter der aufmerksamen Betrachtung der Freundschaft zwischen den zwei
Protagonisten Kalli und Christel. Niederlagen und Triumphe bestimmen ihre wechselnden
Positionen in den Statuskämpfen, denen sie sich gegenseitig aussetzen. In
dem Sinne spielen Kalli und Christel Freundschaft, wobei Kalli glaubt, ihrer transsexuellen
Freundin Christel überlegen zu sein, was diese nur scheinbar hinnimmt. Es
liegt Christel nicht, ihre Ansichten gegenüber anderen durchzusetzen. Es
genügt ihr, überhaupt eigene zu haben. Aufgrund ihrer vielfältigen
Erfahrungen sieht sie ihre gewonnenen Ansichten als änderbar an, für
sie gibt es nicht die eine Wahrheit. Anders Kalli, die nach außen
vorgibt, über gefestigte, lebensnotwendige Ansichten zu verfügen. Im
Inneren aber rumoren die Ängste, die Kalli, in Manier ihrer Mutter, am besten
loszuwerden sucht, indem sie diese anderen suggeriert. Nicht selten wird Kalli
durch ihre ungeschickte Überheblichkeit zu unangebrachten, wenn
auch gut gemeinten Ratschlägen verleitet, die eher belehrend wirken, als
den genügsamen Anspruch, sich ihrer Umwelt mitzuteilen, erfüllen. Durch
den Lauf der Geschichte sieht sich Christel gezwungen, immer mehr gegen Kalli
zu rebellieren, zunächst ironisch, am Ende jedoch bitterernst. Die Figuren
bewahren Lebendigkeit und Sympathie nicht zuletzt durch die Kraft von Ironie und
Sarkasmus, die neben dem Unterhaltsamkeitswert es vermögen, die Subtilität
der Gefühle in ihrer Widersprüchlichkeit, Verleugnung und Verbergung
zu offenbaren. Hab mich lieb! führt nicht zu einer
Moralität. Die Geschichte gibt einen episodischen Einblick in die Intimität
eines Alltagsphänomens, mit dem wir im Leben generationsübergreifend
konfrontiert werden und uns wieder erkennen können. (Quelle: Alfredfilms) Link:
Offizielle Internetseite
des Films
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